Gemeinsam gegen Krebs: Bayerns Forschung setzt auf Vernetzung und Patientenbeteiligung
Beim 6. Netzwerktreffen des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF) am 15. Oktober 2026 im Rudolf-Virchow-Zentrum in Würzburg standen neue klinische Studien, digitale Ansätze und das Erfahrungswissen von Betroffenen im Mittelpunkt. Forschende, Patientinnen und Patienten sowie Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft zeigten, wie standortübergreifende Zusammenarbeit und aktive Patientenbeteiligung die Krebsforschung und -versorgung im Freistaat Bayern stärken können.
Wie entsteht aus wissenschaftlichen Erkenntnissen konkreter Fortschritt für Menschen mit Krebs? Und wie können die Erfahrungen von Betroffenen dazu beitragen, neue Forschungsansätze und Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des 6. Netzwerktreffens des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF), das am 15. Oktober in Würzburg und online stattfand. Unter dem Motto „Gemeinsame Forschung, Versorgung und Fortschritt“ kamen 200 Teilnehmende aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Start-ups, Patientinnen, Patienten und Angehörige im Rudolf-Virchow-Zentrum in Würzburg zusammen, weitere 50 Teilnehmende schalteten sich per Livestream zu. Im Fokus standen innovative Forschungsansätze, die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Frage, wie die Perspektiven von Betroffenen stärker in Forschung und Versorgung einfließen können.
Wenn Patientenbeteiligung Forschung voranbringt
Wie wertvoll die Erfahrungen von Patientinnen und Patienten für die Forschung sind, zeigte die Studie „Gustabor“ als Beispiel für gelungene Patientenbeteiligung. Die digitale Plattform unterstützt Patientinnen und Patienten, die während einer Tumortherapie unter Geschmacksstörungen leiden, mit individuell abgestimmten Rezepten und Ernährungstipps. Mithilfe Künstlicher Intelligenz werden persönliche Vorlieben und Beschwerden mit wissenschaftlich fundierten Empfehlungen verknüpft. Das Ziel: Essen trotz veränderter und belastender Geschmacksempfindungen wieder angenehmer und einfacher zu machen.
Auch die Gesprächsrunde „Patientenperspektiven im Fokus“ machte deutlich, wie wichtig die Erfahrungen von Menschen mit Krebs für Forschung und Behandlung sind. Mitglieder des Patienten-Experten-Pools (PEP) teilten ihre persönlichen Perspektiven und zeigten auf, wie die Erfahrungen, Bedürfnisse und Lebensrealitäten von Betroffenen frühzeitig in Forschung und Versorgung einfließen können.
Zwei Studien – sechs bayerische Universitätsklinika – ein gemeinsames Ziel
Wie standortübergreifende Zusammenarbeit neue Perspektiven eröffnet, zeigten die ersten beiden BZKF-eigenen klinischen Studien. Die ERASE-AML-Studie prüft einen neuen immuntherapeutischen Ansatz für Hochrisikopatientinnen und -patienten mit akuter myeloischer Leukämie. Die Studie PRIME untersucht, ob die PSMA-PET die Diagnose von klinisch bedeutsamem Prostatakrebs verbessern kann. Das BZKF fördert die beiden Studien, an denen alle sechs BZKF-Standorte beteiligt sind, mit insgesamt 5,2 Millionen Euro und dem Ziel, Krebspatientinnen und -patienten in Bayern möglichst früh Zugang zu innovativen Diagnose- und Therapieverfahren zu ermöglichen.
Junge Talente, neue Ideen, starke Netzwerke
Auch die nächste Generation junger Krebsforscherinnen und -forscher stand im Fokus des Netzwerktreffens. Die BZKF-Young Scientist Fellows 2026 präsentierten ihre Forschungsvorhaben unter dem Leitgedanken „Exzellenz stärken – Wissen teilen“. Das seit 2023 laufende Programm unterstützt junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei, Forschungsideen zu entwickeln und in Projekten voranzubringen, sich bayernweit mit Kolleginnen und Kollegen zu vernetzen und von deren Erfahrungen zu profitieren.
Forschung würdigen, Fortschritt gemeinsam gestalten
Zum Abschluss des Netzwerktages rückten zwei Auszeichnungen für besondere wissenschaftliche Leistungen in den Fokus: Mit dem neuen BZKF-Posterpreis und dem jährlich verliehenen BZKF-Publication Award wurde die Bedeutung herausragender Forschungsleistungen und des wissenschaftlichen Nachwuchses für die Weiterentwicklung der Krebsmedizin gewürdigt.
Das 6. BZKF-Netzwerktreffen machte deutlich: Fortschritte in der Krebsforschung entstehen nicht allein im Labor oder in der Klinik. Sie entstehen auch dort, wo Fachwissen zusammenkommt, junge Talente gefördert werden und die Erfahrungen von Patientinnen und Patienten Gehör finden. Das BZKF schafft dafür eine Plattform, auf der die sechs bayerischen Universitätsklinika ihre Kompetenzen bündeln – mit dem gemeinsamen Anspruch, die Krebsversorgung nachhaltig zu verbessern.
Dr. Dintner, Augsburg; Dr. Reitsam, Augsburg; PD Dr. Lutzny-Geier, Erlangen; Dr. Wormser, Erlangen; Ph.D. Belz, LMU; Dr. Morath, TUM; Fritschle, TUM; Hübner, Würzburg; Göttert, Regensburg
1. Platz: Studiengruppe Mammakarzinom, 2. Platz: Studiengruppe ZNS-Tumoren bei Kinder und Jugendlichen, 3. Platz: Studiengruppe Pankreaskarzinom