Innovative Immuntherapie
ERASE-AML-Studie
Die akute myeloische Leukämie (AML) ist die häufigste Form von Blutkrebs im Erwachsenenalter. Sie entsteht im Knochenmark und verdrängt dort die gesunde Blutbildung. Trotz medizinischer Fortschritte ist die Prognose oft schlecht: Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei nur etwa 30 Prozent. Die wirksamste Therapie ist die allogene Stammzelltransplantation, bei der Erkrankte gesunde Spender-Blutstammzellen erhalten. Dennoch erleiden danach rund 30 bis 40 Prozent der Betroffenen einen Rückfall (Rezidiv).
Die ERASE-AML-Studie setzt genau hier an. Ziel ist es, einen völlig neuen immuntherapeutischen Ansatz zu etablieren, um AML-Zellen nach einem Rückfall – oder bei einem sehr hohen Risiko dafür – gezielt zu vernichten.
Seit einigen Jahren zeigen sogenannte CAR-T-Zellen (genetisch veränderte Abwehrzellen) große Erfolge bei anderen Leukämieformen. Bei der AML blieben die Ergebnisse solcher Zelltherapien bisher jedoch hinter den Erwartungen zurück. Im Unterschied dazu kombiniert ERASE-AML drei innovative Ansätze für einen bestmöglichen Behandlungserfolg:
- Maximale Fitness: Es werden vitale T-Zellen von gesunden Spendern genutzt, die nicht durch vorherige Chemotherapien geschwächt sind.
- Multispezifischer Angriff: Es wird nicht nur eine einzelne AML-spezifische Zielstruktur adressiert, sondern die T-Zellen werden so trainiert, dass sie mehrere Merkmale der Leukämiezellen erkennen. Durch diese unterschiedlichen Spezifitäten können Patienten mit AML trotz unterschiedlichem Subtyp in die Studie eingeschlossen werden. Darüber hinaus wird durch diesen Ansatz die Wahrscheinlichkeit reduziert, dass die Leukämiezellen durch den Verlust einzelner Merkmale (Antigenverlust) für das Immunsystem unsichtbar werden.
- Mehr Ausdauer: Die multispezifischen T-Zellen erhalten zusätzlich einen Co-Rezeptor, der die T-Zellen vor dem immunsuppressiven (abwehrunterdrückenden) Tumormilieu schützt und die Anti-Leukämiefunktion verstärkt.
Betroffene erhalten diese maßgeschneiderte Therapie im Rahmen der Studie bis zu dreimal als Infusion. Für die gezielte Patientenauswahl und Rekrutierung wird das Early Clinical Trial Board – ein Expertengremium zur Abstimmung früher klinischer Studien – aller sechs bayerischen Universitätsmedizin-Standorte genutzt.
Das Wohl der Erkrankten steht bei jedem Schritt - sowohl in der Studienplanung als auch bei der Studiendurchführung - im Mittelpunkt. Hierfür ist die Perspektive von Patientenvertretenden fest in der Organisation der Studie verankert.
Koordinierendes Zentrum
Die Studie wird am LMU Klinikum München koordiniert und geleitet von:
- Prof. Dr. Marion Subklewe (LMU Klinikum München)
- Dr. Veit Bücklein (LMU Klinikum München)