Ein neues Zentrum für Zell- und Gentherapie
Im „Munich Center for Cell and Gene Therapy“ (MCCG) sollen künftig alle Forschungs- und Behandlungsaktivitäten zu unterschiedlichen Ansätzen der Zell- und Gentherapie am LMU Klinikum gebündelt werden. Beteiligt sind Kliniken und kooperierende Organisationen diverser biomedizinischer Fachrichtungen.
Die Leitung des Munich Center for Cell and Gene Therapy (v.l.n.r.): Prof. Dr. Stylianos Michalakis, Prof. Dr. Marion Subklewe, Prof. Dr. Sebastian Kobold und Prof. Dr. Andreas Humpe
„Mit dem MCCG schaffen wir eine hoch interdisziplinäre und erkrankungsübergreifende Plattform für alle Dinge, die wir in diesem innovativen Bereich der Medizin seit einigen Jahren hier machen“, sagt Prof. Dr. Marion Subklewe von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am LMU Klinikum. Die Expertin für die sogenannte CAR-T-Zelltherapie ist Leiterin des Zentrums.
Die Vision und der Anspruch sind hoch. „Wir wollen das MCCG als führendes Kompetenzzentrum in Europa für die Entwicklung neuer Zell- und Gentherapien etablieren“, sagt Marion Subklewe. Prof. Dr. Sebastian Kobold, der Koordinator des Zentrums, sieht „den entscheidenden Nutzen unseres neuen Netzwerks in der Systematisierung und Beschleunigung der Translation, indem es hilft, die Brücke zwischen der Laborforschung und der klinischen Prüfung neuer Therapien zu schließen.“ Schneller und effektiver lassen sich innovative Ansätze der Zell- und Gentherapie im Verbund ans Krankenbett bringen. Und derer gibt es zuhauf am LMU Klinikum. In Kobolds Labor wurden zum Beispiel neue vielversprechende Ansätze entwickelt für die CAR-T-Zelltherapie in soliden Tumoren wie Darm- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs.
In der Therapie bestimmter Formen des Blut- und Lymphdrüsenkrebses ist die die CAR-T-Zelltherapie bereits unverzichtbar, „wobei wir am LMU Klinikum ganz vorn mit dabei waren und sind“, sagt Prof. Dr. Marion Subklewe. Die LMU-Expertinnen und -Experten haben zum Beispiel die Sicherheit dieser Therapie intensiv erforscht mit Erkenntnissen, die in Leitlinien weltweit aufgenommen worden sind. Die Mediziner waren aber auch europaweit die ersten, die die CAR-T-Zelltherapie im Rahmen einer klinischen Studie erfolgreich ambulant verabreicht haben. Und sie entwickeln neue Konzepte, um sie noch erfolgreicher als bisher zu machen.
„Nun“, so Subklewe weiter, „hat sich die CAR-T-Therapie über die Krebsmedizin hinaus ausgeweitet und dringt in die Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie etwa Rheuma oder Multiple Sklerose ein.“ Sogar die Möglichkeiten der Transplantation von Organen wie Nieren oder Lungen lassen sich möglicherweise mit der Zelltherapie verbessern. Auch da sind die Münchner Forschenden aktiv.
Gentherapien auf dem Vormarsch
Ähnlich sieht es im Bereich der Gentherapien aus – das zweite Standbein im MCCG. „Die LMU-Augenklinik zum Beispiel hat als erste Einrichtung in Deutschland die erste zugelassene Gentherapie zur Behandlung einer erblichen Retinopathie angewendet“, sagt Prof. Dr. Stylianos Michalakis, der stellvertretende Leiter des Zentrums. Seine Arbeitsgruppe hat zudem die erste Gentherapie zur Behandlung der „Achromatopsie“ mitentwickelt und war maßgeblich an deren Translation in die Klinik beteiligt. Ein weiteres Beispiel: Voraussichtlich noch dieses Jahr wird am Zentrum der erste Patient mit einer klassischen Bluterkrankung, der Sichelzell-Thalassämie, mit einer neuen Gentherapie behandelt. Und bereits genehmigt ist die erste Behandlung eines Patienten mit der seltenen Augenerkrankung Morbus Stargardt.
„Insgesamt“, sagt Michalakis, „wird das koordinierte Fachwissen, das die Kapazitäten eines einzelnen Labors oder einer einzelnen Klinik übersteigt, die Entwicklung sicherer, skalierbarer und klinisch relevanter Zell- und Gentherapien für zahlreiche Erkrankungen beschleunigen.“ Vor dem Hintergrund, „dass es leichter fallen wird, die Kenntnisse über vorhandene Infrastrukturen auszutauschen und sie auch für verschiedene Mitglieder des Zentrums leichter nutzbar zu machen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass die Kommunikation auf diesem Weg einfacher und Reibungsverluste weniger werden“, ergänzt Prof. Dr. Andreas Humpe, der Qualitätsmanagementbeauftragte des MCCG. Perspektivisch, so Marion Subklewe abschließend, „wollen wir mit unserer geballten Kompetenz auch für die Industrie erster Ansprechpartner sein, um die Medizin in diesem Bereich entscheidend voranzubringen.“