Gemeinsamer Forschungsschritt - Bayern und Österreich untersuchen erstmals innovative Therapien beim Blasenkrebs
Das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF) mit den sechs bayerischen Universitätskliniken und das Austrian Comprehensive Cancer Network (ACCN), bestehend aus den Medizinischen Universitäten Wien, Graz und Innsbruck – starten eine gemeinsame Studie zur Erforschung neuer Therapien beim Urothelkarzinom, einer aggressiven Form von Blasenkrebs. Das Forschungsprojekt untersucht bestimmte biologische Merkmale (Biomarker), um die Forschung schneller in die Behandlung von Patientinnen und Patienten zu bringen. Dafür werden sowohl bereits vorhandene Daten als auch neue Informationen aus aktuellen Untersuchungen genutzt.
Die Therapie des muskelinvasiven und metastasierten Urothelkarzinoms hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Diese vergleichsweise häufige Erkrankung belastet die Betroffenen weiterhin stark und ist mit einem hohen Risiko verbunden, daran zu sterben. Ziel dieses Projektes ist es nun, ein wesentlich besseres Verständnis dafür zu erlangen, warum bestimmte Blasenkrebspatientinnen und -patienten nicht vollständig auf moderne Chemo- und Immuntherapien ansprechen – und welche therapeutischen Alternativen für Betroffene mit schlechtem Ansprechen besser geeignet wären. Dazu wird untersucht, welche therapieresistenten Tumorgruppen besondere Oberflächenmerkmale tragen, die als Angriffspunkte für sogenannte moderne Antikörper-Wirkstoff-Konjugate dienen können. Diese zielgerichteten Medikamente transportieren ihren Wirkstoff gezielt in Krebszellen und können dadurch deutlich besser wirksamer sein als herkömmliche Chemotherapien.
Prof. Dr. Johannes Breyer, Oberarzt in der Klinik für Urologie am Caritas-Krankenhaus St. Josef, erklärt stellvertretend für die BZKF-Studiengruppe Urothelkarzinome:
„Das Ziel der groß angelegten Kollaboration ist es, erstens zu verstehen, welche Patientinnen und Patienten nicht gut von neuen Therapien profitieren und zweitens, welche neue maßgeschneiderte Therapieoptionen besser helfen können. Die Ergebnisse werden uns maßgeblich helfen, zukünftige klinische Studien im ACCN- und BZKF-Netzwerk vorzubereiten, die unseren Patientinnen und Patienten direkt zugutekommen werden. Dafür wird eine gemeinsame Datenbank und Biobank aufgebaut, wichtige genetische Veränderungen analysiert und den Tumoren werden verschiedene molekulare Subtypen zugeordnet. Außerdem prüfen wir, wie diese Merkmale mit dem Krankheitsverlauf zusammenhängen und nutzen eine vom BZKF entwickelte pathologische Beurteilungsmethode, um den verbliebenen Tumor nach Therapie genau zu beurteilen.“
Prof. Dr. Shahrokh Shariat, Leiter der Universitätsklinik für Urologie und des Comprehensive Cancer Centers (CCC) von MedUni Wien und AKH Wien sowie Sprecher des ACCN, betont:
„Die einjährige Förderphase dient als wichtige Anschubfinanzierung für zukünftige gemeinsame Projektanträge in der Europäischen Union. Mit diesem Projekt setzen BZKF und ACCN ein starkes Zeichen für die europäische Zusammenarbeit in der Spitzenforschung – mit dem klaren Ziel, Patientinnen und Patienten mit aggressivem Harnwegskrebs bessere und individuellere Behandlungsoptionen zu eröffnen.“
Austrian Comprehensive Cancer Network (ACCN)
Das Austrian Comprehensive Cancer Network (ACCN) bündelt Ressourcen und Fachwissen der drei österreichischen Comprehensive Cancer Center (CCC) in Wien, Graz und Innsbruck, um innovative Behandlungsansätze und Forschungsergebnisse für Krebspatientinnen und Krebspatienten gemeinsam zu erarbeiten. Ziel des ACCN ist es, durch die Vernetzung von lokalen Strukturen, die Prävention und die Spitzenmedizin in der Onkologie weiter zu verbessern und Synergien der drei Standorte optimal zu nutzen um gemeinsam Krebs zu bekämpfen.